Rigg&Segel

20.11.2010: Mit der Anlieferung des Mastes am 29.9.2010 hat für den nix”X”!-Bau ein ganz neues Kapitel begonnen. Plötzlich liegt da so ein sündhaft teures Teil, das ich nicht selbst gebaut habe. Mit der Zeit wird aber klar, dass daran noch genügend Arbeit zu verrichten ist. Zwar sind schon einige Anbauteile dabei und montiert (Rigg-03, 04, 05); so auch die Spreader Bars, die ich sicher nicht in dem korrekten Winkel hinbekommen hätte.

Das Rigg war vom Konzept her klar für einen Binnenracer entworfen: schlank und hoch, viel Segelfläche, mit fat head-Großsegel (45 m²) und kaum überlappendem Vorsegel (24,7 m²). Als Kompensation für die kleinen Am-Wind-Vorsegel will ich bei Schwachwind (der generellen Wetterlage am Bodensee) ein Code 0 an dem auf 1,80 m ausfahrbaren Gennakerbaum fahren. Jochen Frik von der Segelmanufactur Anette Bengelsdorf in Friedrichshafen hat mir das Rigg gezeichnet (Rigg-01). Gut sichtbar ist dabei das recht gewaltige 45 m²-Großsegel mit dem weit ausgestellten Kopf. Diese Form - sagt Elvström - kann man nur mit entsprechendem Tuch realisieren und deshalb werden die Segel aus Epex mit Technora-Fasern gefertigt.

Der Mast (ich rede jetzt immer von einem, obwohl man in den Fotos oft zwei identische sieht) ist als Rohling deutlich vom Herstellungsprozess gezeichnet: Er wird in zwei Alu-Formhälften laminiert und nach Zusammenfügen “gebacken”; die Längsprofile der komplizierten Struktur hinterlassen dabei Längsfurchen, die es beizuarbeiten gilt. Nordic - jetzt Southern Spars - gibt Anweisungen: beim Anschleifen kein Material abtragen, sondern nur alles aufrauhen. Mit Angstschweiß stellt der Schleifer fest, dass bereits bei dem ersten Versuch der Schleifstaub pottschwarz ist: Kohle-Abtrag! Klar, es ist mit PrePregs gearbeitet worden, da ist fast kein Harz drin! Zur Hölle, wie soll man das ohne Kohleabbau schaffen?! Vorsichtiger Anruf in Rödekro: ja, etwas kommt immer mit runter, keine Angst. Aber halt nicht zu viel abnehmen. Es bleibt eine Zitterpartie, bis die erste Lage Epoxi-Spachtel drauf ist (Rigg-06). Selbst beim Anschleifen des gespachtelten Mastes geht’s wieder runter auf die Kohle, man will ja nicht zu viel Material in luftiger Höhe mitschleppen (Rigg-07, 08). Nochmals: Vorsicht! Nachdem diese Lage dann sauber rund und glatt geschliffen ist, kann ich auch schon mal die notwenigen Schlitze für Fallenboxen (Genua-Box unter dem Vorstag-Anschlag [Rigg-09, 10] Gennaker oben [Rigg-11] sowie alle Fallenaustritte) herstellen. Das gelingt leidlich mit Bohrern, Stichsäge und Feile. Das Material ist aber unerbittlich: Alles wird in kurzer Zeit erbarmungslos stumpf, an den Stichsägeblättern schmelzen die Zähne buchstäblich dahin, auch bei den letztlich benutzten Metallsägeblättern.

Außerdem braucht der Mast noch einen Wasserstop innen, den Southern Spars noch nicht eingebaut hatte. Ich arbeite nach Empfehlung: Zwei stramm in das Mastprofil passende Schaumstoff-Scheiben werden mit etwas Abstand (ca. 2 cm)auf ein Kabel-Leerrohr gesteckt und dort verklebt (Rigg-12). Dann bohre ich ein 10mm Loch dicht unter den Beschlag für den Niederholer/Kicker achtern in den Mast. Anschließend schiebe ich das Schaumstoff-Sandwich mit einem Stab vorsichtig und ohne Verkanten von unten in den Mast, bis der erste Schaumstoff mein kleines Guckloch passiert hat und der Schlitz zwischen beiden Scheiben durch das Loch sichtbar ist. Nun fülle ich den Schlitz mit nicht angedicktem Epoxidharz. Insgesamt werde ich ca. 400 ml benötigen. Da ich zuvor schon die Erfahrung machte, wie heiß 400ml Harz werden können, wenn sie als Ganzes aushärten, entschließe ich mich, den Schlitz in Portionen zu füllen. Heiß wird’s trotzdem ein Bißchen; jedoch nur so, dass man den Mast noch gut anfassen kann. Nach Auffüllen ist auch das Guck- und Einfüll-Loch mit Harz verschlossen. Schließlich nehme ich wieder einen 10er Bohrer und bohre das Loch erneut auf; aber diesmal führe ich den Bohrer schräg nach oben in den Mast, so das ich einen schrägen Ablaufkanal erhalte.

Erst nach Aufrollen der ersten Lage Grundierung mit der Fellrolle werde ich ruhiger, was den Kohleabtrag betrifft. Jedoch zu früh: ich realisiere, dass ich etwas zu viel Spachtel abgetragen hatte und der Mast erscheint im Querprofil nicht ganz harmonisch. Also: neu Spachteln an den Flanken und nochmals Schleifen (Rigg-13). Dabei kann ich aber gleichzeitig noch ein paar vorhandene Lunker auffüllen. 

Inzwischen ist der Mast rundum dreimal grundiert und wartet auf den letzten Feinschliff vor dem ersten Spritzauftrag mit einer Füllerschicht. Dazu wird er wieder auf den Lkw geladen und in eine professionelle Lackierhalle mit Trockenofen etc. transportiert. Man muss wissen, was man besser dem Profi überläßt ...

Ich rechne mal den Gennakerbaum mit zum Rigg und beschreibe seinen Bau und die Installation in diesem Kapitel.

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich den Gennakerbaum, den ich für einen integralen Bestandteil eines modernen schnellen Segelbootes halte, in seiner Form und Funktion gestalte. Die wichtigsten Kriterien, die ich dabei beachten wollte, waren Platzbedarf, Funktion und Ästhetik. Zahlreiche Beispiele an modernen Schiffen zeigen eigentlich immer wieder die gleiche Unart: ein unansehnlicher kurzer Schweinerüssel seitlich am Bug eines sonst vielleicht hübschen Schiffes verunziert den Bug, weil die Konstrukteure nicht wußten, wie sie den Gennakerbaum anders zum Ein-und Ausschieben vorne lagern sollten. Ausnahmen sind z.B. die Tboats; aber die haben ein unaussprechlich häßliches Wasserschluckloch direkt vorn am Bug und zerstören so die Ästhetik der sonst so schicken Yachten. Obwohl: die Möglichkeit der Tboat-Gennakerbäume, in einem beträchtlichen Winkel geschwenkt zu werden, ist für Raumschotskurse sehr attraktiv.

Alle Möglichkeiten bedenkend verzichte ich auf die seitliche Schwenkbarkeit, weil der Baum dafür direkt vorn am Bug austreten müßte; und da sitzt bei mir der Unterdeck-Fockroller, auf den ich als häufiger Einhandsegler nicht verzichten werde. Ein gerade ausschiebbarer Baum würde bei nix”X”! aber recht kurz, weil ich den Baum im eingezogenen Zustand nicht unmotiviert unter dem Kajütdach baumeln haben möchte. Meine Alternative ist ein diagonal unter dem Vordeck gelagerter Baum, der mit einem entsprechend asymmetrisch angeordneten Schienensystem in eine gerade Position ausgeschoben wird. Ich gewinne durch diese Technik zwei Dinge: erstens kann der Baum 1,80m vorn über den Bug hinausragen und zweitens kann die Bordwand schier und ohne Schweinerüssel sein, wenn ich’s richtig mache. Man wird dann nur einen ovalen Schlitz backbords vorn erahnen. Wie’s gedacht ist, könnte ich in einer Zeichnung darstellen; ich denke aber eher, die Beschreibung des Baufortschritts kann das hier auch erläutern. Einfach wird die Realisierung sowieso nicht...

Schwierig ist vor Allem die genaue Ausrichtung des Baumes sowohl in eingezogenem als auch in ausgefahrenem Zustand. Ich muss dabei beachten, dass ich zwei Auflager brauche, die die auftretenden Kräfte in jeder Stellung abfangen und die - im “aktiven” Zustand - einen Gennaker mit 130 m² Fläche oder ein Code 0 mit 70 m² (aber mit vollem Zug auf dessen Vorliek) klaglos halten. Eines dieser Auflager muß so dicht wie möglich an der Bordwand sein, damit der Borddurchlass möglichst klein bleibt ( je weiter dieses Auflager vom Austrittspunkt entfernt ist, desto stärker schwenkt der Baum in der Bordwand-Ebene und verlangt nach einem größeren Austrittsloch). Das zweite Auflager kann ich am vorderen Schott der Vorschiffskajüte befestigen.

Tage-, wenn nicht wochenlang, messe ich im Vorschiff hin, her horizontal, vertikal, diagonal; .... manchmal habe ich den Verdacht, das Gennakerbaum-Projekt verselbständigt sich und wird vier- oder multidimensional. Ich bekomme Alpträume vor allem mit dem erforderlichen Bordausschnitt. Ich sehe ein grausam geflicktes Vorschiff, an dem nichts mehr edel aussieht: Angestückelte Paßteile, nicht harmonisch und unpassend laufende Maserung; Katastrophe ...

Zwei Dinge lösen meine Angststarre: erstens realisiere ich, dass der Baum HORIZONTAL ein- und ausgefahren werden muss und zweitens hat meine liebe Gattin aus dem Büro ein 80 mm Durchmesser Papprohr mitgebracht, in dem man normalerweise Pläne lagert; ich kann es aber als Gennakerbaum-Modell benutzen, weil mein Rohr genau diesen Durchmesser haben soll!

Solcherart reaktiviert messe ich zunächst mit Wasserwaage und Richtschnur die mögliche Ausschub-Bahn des Baumes unter dem Vordeck aus. Ich nehme dann Maße von den jeweiligen Deckbalken ab und fertige eine Führungs-Schiene, an der der Baum ein- und ausgefahren werden soll. Die Schiene ist eine Oregon-Pine-Leiste, an deren Unterkante eine Ronstan-Schiene Serie 14 einen Wagen führen wird, der wiederum das Ende des Gennakerbaumes festhält und dirigiert (Rigg-20 - 22). In das Schott am Vorderende der Vorkoje säge ich einen 85 mm hohen Schlitz, dessen Weite den Positionen des Baums in ein- und ausgefahrenem Zustand entspricht (Rigg-20, 23). Erst danach wage ich es, in der Verlängerung eine ovale Öffnung in die Bordwand zu sägen. Diese Öffnung entspricht genau der, die für den ausgefahrenen Baum notwendig ist (lang-oval, Rigg-24, 25)); durch den steileren Winkel im eingefahrenen Zustand wäre die Öffnung kleiner (kurz-oval). Das augeschnittene Stück Bordwand werde ich vorn als Abschluß auf den Gennakerbaum laminieren; damit wird in geschlossenem Zustand - hoffentlich passend - lediglich ein ovaler Schlitz in der Bordwand auf den Gennakerbaum hinweisen. Damit die Rückzugsposition des Baumes beim Einziehen einfach gefunden werden kann, hinterfüttere ich das lang-ovale Loch mit einer Sperrholzplatte mit Ausschnitt, die den Baum in der ausgefahrenen Position nicht behindert, in der eingefahrenen Position aber der kleineren benötigten Öffnung entspricht (Rigg-25). So kann der Baum mit der ovalen Scheibe am Ende beim Einfahren direkt passend in der Bordwandöffnung arretieren.

16.12.2010: Ich zähle jetzt mal alles, was an Laufendem Gut und seiner “Unterbringung” zu tun hat, auch mit zum Rigg; deshalb beschreibe ich die Unterdeckskanäle auch hier in diesem Kapitel (den “Klimakanal” im Salon, s. Innenausbau, nehme ich davon aus).

Gennakerbaum-Kontrollen und Fockroller-Leine müssen Unterdeck mit geringfügiger Umlenkung bis nach achtern ins Cockpit geführt werden. Da die Unterdeckskipperin (ich eigentlich auch) so nasse Leinen nicht gern über der Koje oder dem Salonsofa baumeln haben, wird alles in separierende Kanäle verbannt. Das muß natürlich alles möglichst ohne Gewichtszuwachs passieren. Ideal für den Salon war der Klimakanal aus dem Baumarkt (s. Moeb-76); für die anderen Bereiche nehme ich Leerrohre für Hausverkabelungen, auch wieder aus dem Baumarkt (oh wie schön billig das da Alles ist! Ich bekomme ein Bootsbau-Teil für 73 Cent!!!). Die Rohre, wenn paarweise nebeneinander verlaufend, können prima mit Dachrinnenkleber verbunden werden; sie werden so viel steifer und lassen sich besser verbauen. Außerdem ist bei der Farbgebung bei nixX kein Aufwand nötig: die Kabelrohre haben genau die Farbe der Decksbalken! Ich muss nur drauf achten, dass die aufgedruckten Beschriftungen und der Barcode nach oben zeigen. Die Enden der Rohre in Vorkoje, WC-Raum und Backskiste werden jeweils in den Schottwänden verankert und mit Epoxi fixiert (Rigg-27, 29).

Da die Leinen an manchen der Schotten doch etwas umgelenkt werden, baue ich Führungsbuchsen aus Edelstahl für die Schottdurchführungen, die ein Schamfilen verhindern sollen. Dazu nehme ich ein V4A-Rohr mit 14 mm Innendurchmesser, säge Stücke davon in der Dicke des jeweiligen Schotts ab, in das sie eingebaut werden sollen. Dann treibe ich die Enden mit einem einfachen Lochstanzer aus Eisen und einem Hammer so stark auf, dass die Öffnungen auf ca. 18 mm aufgebördelt werden. Danach nehme ich eine Eisenfeile und dann 500er Schleifpapier, um das Rohr weitestgehend zu glätten. Zum Abschluß poliere ich es innen mit einem Vorsatz an der Bohrmaschine. Diese geglätteten Durchführungen setze ich mit Epoxidharz in entsprechende Bohrungen in die Schottwände ein (Rigg-28, 29). Dabei müssen die Bohrungen wegen der aufegweiteten Öffnungen leider etwas größer gemacht werden; deshalb sehen die Einsätze nach dem Verleimen nicht ganz so schön aus. Ich werde hier versuchen, mit Ahorn-Möbelkitt nachzubessern. Nach Anbringen aller Kabelkanäle und Buchsen kann das Seitendeck montiert werden.

9.1.2011: Endlich sind die Rüsteisen da; sie wurden freundlicherweise von einem Bekannten, der hier nicht genannt werden möchte, gelasert (vielen Dank dafür!) Die Fläche, mit der die Nirobleche an das Holz von Steven oder Rahmenspant geleimt werden, wurde zusätzlich mit Glaspartikeln gestrahlt, um die Oberfläche aufzurauhen. Die Sichtflächen habe ich mit einer Kunststoff-Schleifbürste behandelt, um ein ebenmäßiges gebürstetes Bild zu erhalten; das ist leidlich gut gelungen (e.g. Rigg-32).

Ich beginne mit der Befestigung der Wanten-Rüsteisen. Hier ist besonders schwierig, dass das 8 mm starke Rüsteisen auf der anderen Seite des Rahmenspants mit einer 3mm dicken Gegenplatte gekontert ist (Rigg-34); darum muss jedes Loch im richtigen Winkel gebohrt werden; die gegenüber liegende Öffnung muss möglichst ohne “Stochern” gleich gefunden werden. Außerdem ist der Platz recht beengt, ich kann nur mit den kleinen Akkuschraubern arbeiten. Ich gehe dieses Problem so an, dass ich zunächst mit einem 5 mm-Bohrer Löcher von beiden Seiten in möglichst passendem Winkel anbohre. In allen Fällen hat es geklappt, dass sich die beiden entsprechenden Bohrkanäle irgendwo in der Mitte trafen. Das anschließende Aufweiten mit dem 10 mm-Bohrer führte dann recht problemlos zu einem Bohrloch mit der richtigen Richtung, weil der Bohrer “den Weg des geringsten Widerstandes” nahm und dem kleineren Bohrkanal willig folgte. Auf diese Weise habe ich das Material des Rahmenspants nicht über Gebühr geschwächt.

Um alle anderen Löcher im Abstand zueinander passend zu bohren, stecke ich nach dem ersten gebohrten Loch einen 10mm-Bohrer dort hinein. Dieser hält beide Bleche in der richtigen Position - besser als das eine Schraubzwinge hätte tun können. Weitere Löcher werden nach Möglichkeit ebenso mit 10mm-Bohrern fixiert. Ein 10mm-Bolzen hätte es auch getan, aber die sind noch nicht geliefert. Außerdem zeigt der längere 10mm-Bohrer recht gut den Winkel an, in dem man die Bohrmaschine halten muss.

Inzwischen ist auch der in Auftrag gegebene Rohling für den Carbon-Gennakerbaum eingetroffen. Auftragnehmer war die Firma Fiberwork (s. “links/downloads”). Der Baum hat einen Außendurchmesser von 80 mm, eine Wandstärke von 4mm und ist 2,80 m lang. Fiberwork hat sehr gute Arbeit mit gewickeltem PrePreg-Material geliefert, ich empfehle die Firma hier gern. Das verlangte Finish des Rohlings mit Abreissgewebe ist so gemacht worden, dass ich ohne Aufwand das Rohr grundieren und endlackieren kann. Ich kann meine Neugier, wie sich das Gerät in der Realität ausmachen wird, natürlich nicht zügeln und schiebe den Rohling schon mal in die entsprechende Position (Rigg-35, -36).

1.4.2011: Die Navigationsinstrumente sollen bei nix”X”! - wie sich das für einen anständigen Racer gehört - am Mast angebracht werden. Dazu benötige ich eine Halterung. Diese käuflich zu erwerben heißt entweder sehr tief in die Tasche zu greifen oder etwas wenig Ansprechendes zu erhalten. Also: Selber machen! Ich entschließe mich, die Halterung aus GfK zu formen. Dafür baue ich eine Positivform aus Styropor (Rigg-37), die der MAstform angepaßt ist. Darauf laminiere ich mit einigen Lagen Köpergewebe einen Rohling (Rigg-38). Die engen Radien der Form verlangen Aufmerksamkeit, dass sich das Gelege sich nicht immer wieder von der Form abhebt.

Die fertige Rohlingform erhält ein paar seitlich gesägte Ausschnitte und vorn einen Kasten aus 6 mm starkem Sperrholz, der die Anschlüsse vor Nässe schützen wird. Dieses Konstrukt wird wie der Mast zuvor auch gespachtelt und grundiert (Rigg-39). Abschließend erhält der Halter die selben Decklackslagen wie der Mast (zweimal weiß RAL 9010, ein Clear Coat) und wird an passender Stelle auf den Mast laminiert. Dazu entferne ich sehr, sehr vorsichtig an den Haftstellen am Mast alle Lack- und Spachtellagen, damit die Verleimung von Carbon auf Glasfaser direkt gelingt und damit gute Haftung gewährleistet (Rigg-40). Ganz entsprechend baue ich die Halterung für das Dampferlicht (Rigg-41, 42).

Inzwischen sind nach meinen Plänen die Lager für den Gennakerbaum gefertigt worden. Wie schon beschrieben, soll der Gennakerbaum beim Ein- und Ausfahren zusätzlich zur Vor- und -Rückwärtsbewegung eine Querbewegung machen, weil er in eingefahrenem Zustand diagonal unter dem Vorkojen-Deck hängt. Der Grund für diesen Plan war zweierlei: erstens kann der Baum durch die diagonale Lagerung länger werden (2,80 m statt 1,90 m); zweitens ermöglicht diese Position ein besonderes Design der Austrittsöffnung. Hier wollte ich gern die übliche häßliche Nase vermeiden und einen bündigen Abschluß mit der Bordwand haben. Hätte ich dies mit einem gerade eingebauten Baum gemacht, wäre er noch einmal wesentlich kürzer geworden; das hätte sich irgendwann nicht mehr wirklich gelohnt.

Damit wird der Ausfahr-Mechanismus und die Lager dafür entsprechend kompliziert. Der Baum soll dreifach gelagert werden: Ganz vorn erhält er ein Ringförmiges Lager, das sich um einen bestimmten Betrag nach beiden Seiten drehen kann. Der Drehpunkt sollte idealerweise so dicht an der Bordwand wie möglich sein; dann nämlich wird die Bordwand-Öffnung am kleinsten. Dafür erhält der Ring einen “Ausleger”, der die Lagerachse weit nach vorn bringt (Rigg-43,-44). Der Ring kann nämlich nicht direkt nach vorn verlagert werden, da er sonst bei ausgefahrenem Baum an die Bordwand schlagen würde bzw. dort schon gar nicht mehr hin passen würde (Rigg-48). Das zweite Lager ist auch ein Ringlager; dieses befindet sich in bzw. direkt vor dem Schlitz im vorderen Schott. Entsprechend der Querbewegung, die der Baum hier schon macht, muß dieses Lager nicht nur eine leichte Drehbewegung ausführen können, sondern auch um einen Betrag von etwa 40 cm nach Bb oder Stb gleiten können. Dazu befestige ich Gleitlager aus Delrin (POM) vor dem Schott auf dem Last aufnehmenden Querbalken (Rigg-49). Das dritte Lager befindet sich an der inneren Baumnock und ist der oben beschriebene Wagen, der an der Ronstan Schiene entlang gleitet und von einem langen Gummi zum Einzug und einer einfachen Talje zum Ausfahren geführt wird. Diese drei Lager müssen sehr sorgfältig aufeinander ausgerichtet werden, damit keines von ihnen verkantet und die ganze Sache klemmt. Geringfügiges Spiel in den POM-Ringlagern erleichtert die Bewegungen etwas.

Der Anschlag für das Vorliek bzw. die Code-0 Rollanlage am Baum muss auch besonders gestaltet werden, weil der Baum im vorderen Ringlager natürlich keine Strukturen haben darf, die über die Oberfläche des Rohres hinausragen. Ich konstruiere deshalb einen Klappbeschlag aus Carbon (Rigg-45 bis -47). Dieser Beschlag hat eine Öse, in der ein Schäkel oder Karabiner eingepickt werden kann (Rigg-45) und wird durch eine azentrische Achse (in diesem Fall ein hingetrimmter 8 mm-Schäkelbolzen!) im Baum gehalten (Rigg-46). das Ganze senkt sich bündig in einen 10 mm breiten Schlitz, den ich zuvor in den Baum gefräst habe und kann bei Bedarf durch Fingerdruck auf das Hinterende ausgeklappt werden (Rigg-47).

 

Rigg-00

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